Schottische Gute-Laune-Romanze

»›Manche Männer lassen einen in der Tat strahlender zurück, als sie einen aufgefunden haben‹, erklärt sie, und schon wieder bringt sie mich zum Lachen. Womöglich habe ich mehr von dieser Insel vermisst als das Meer.«
(Anne Sanders: Mein Herz ist eine Insel, S. 31)
»Ich suchte mir eine Ausbilgundsstelle in England, wechselte dort von einem Restaurant ins nächste, immer eine Stufe höher, bis ich schließlich im Westex ankam, einem der angesagtesten Läden des Landes. Ich wusste, mit dem, was ich dort lernte, und dem Renommee, das ich sammelte, würde ich irgendwann selbst etwas Großes schaffen können, und zwar hier, im Old Man’s Inn. Nicht, weil das Pub seit seinem Bestehen in Familienbesitz ist, oder sagen wir, nicht nur. Aber es ist so: Ich liebe diese Insel. Sie ist meine Heimat, mein Zuhause, meine Vergangenheit, meine Erinnerung und meine Zukunft.«
(Anne Sanders: Mein Herz ist eine Insel, S. 58)

Mein Herz ist eine Insel von Anne SandersUrlaubslektüre schon vor dem eigentlich Urlaub lesen: Kann ich. Dazu aus einem Genre, das es sonst fast gar nicht zu mir schafft. Anne Sanders‘ charmant-witzige und dadurch sehr unterhaltsame Geschichte mit Herz. Nachdem ich sie auf einer Lesung erleben durfte, wollte ich Mein Herz ist eine Insel doch ganz lesen. Immer mit der Originalstimme der Autorin im Kopf, mit der sie die Protagonistin Isla so wunderbar interpretiert hat.

Isla ist Anfang dreißig und widerwillig auf dem Weg zurück zu ihrer Heimatinsel Bailevar, weit draußen vor der schottischen Westküste. Widerwillig, weil sie vor zehn Jahren ihr Elternhaus und die Insel verlassen hat, weil sie glaubte – und immer noch glaubt –, dass es auf dem Festland etwas Besseres geben müsse. Im Nachklapp der unerwarteten Trennung von ihrem langjährigen Freund fiel ihr allerdings kein anderer Zufluchtsort ein. Und natürlich holen sie auf der Insel all die Dinge wieder ein, denen sie damals den Rücken kehren und die sie vergessen wollte. Zu Familien- und Liebeswirren gesellt sich dann noch ein Tourist aus den USA und ein streng gehütetes Geheimnis, die nicht nur Islas Leben aufwirbeln.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Isla und Finn, die zusammen aufgewachsen sind und zeitweise ein Paar waren, bevor Isla die Insel verlassen hat. Klar, dass emotionales Chaos vorprogrammiert ist. Auch klar, dass das Ende einigermaßen vorhersehbar ist, das gehört zum Genre. Positiv dagegen, dass es nicht in den großen Kitsch abrutscht.

Anne Sanders trifft einen wunderbaren Ton: Frisch und in keinster Weise seicht führt sie in das raue Herbstklima der schottischen Inseln, entfaltet Legenden und Familiengeschichten. Immer mit einer Prise Sarkasmus und trockenem Humor. Sie verzichtet auf ausschweifendes Liebesgeschnulze und konzentriert sich auf Dialoge, die wirklich Spaß machen. Die Handlung, geschickt und zügig vorangetrieben, wartet mit der ein oder anderen Wendung auf und ist trotz der angeschnittenen ernsten Themen angenehm leicht. Am Ende wurde ein bisschen geweint, ein bisschen geschmachtet, viel gelacht. So muss Urlaubslektüre!

Anne Sanders: Mein Herz ist eine Insel, Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2017, Paperback, 384 S..

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