Lektürerückblick 2017

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Foto: Armando Castillejos

Manche Jahre gehen erstaunlich schnell vorbei. 2017 war ein recht turbulentes Jahr mit enigen Kurswechseln und Neuorientierungen. Immer mit dabei waren natürlich Bücher. In den vergangenen zwölf Monaten haben mich diese Schätzchen begleitet (nicht vollständig).

 

 

Fatma Aydemir: Ellbogen (Hanser Verlag 2017)

Ein harter, rotziger Roman über Spaß, Träume und Verzweiflung. Und über Gewalt. Ausführliche Meinung hier.

Virginia Boecker: Witch Hunter. Herz aus Dunkelheit (dtv 2016)

Fortsetzung der Geschichte um die Hexenjägerin Elizabeth, die im ersten Band zur Staatsfeindin erklärt wurde. In Herz aus Dunkelheit führt Boecker die Handlung souverän zu Ende, reicht aber nicht an den Auftakt heran.

Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge (Heyne fliegt 2017) – Highlight!

Auch Monate nach der Lektüre noch immer ein ganz besonderer Liebling im Regal und klare Leseempfehlung! Zur Besprechung.

Alex Gino: George (S. Fischer Verlag 2016)

Eines der ersten Transgender-Bücher für Kinder und Jugendliche und deshalb wichtig. Der/die Lesende begleitet George dabei, wie sie ihrer Familie und ihren Freunden endlich mitteilen kann, dass sie kein Junge ist und als Mädchen leben will. Besonders schön: Der auktoriale Erzähler spricht von George ausschließlich in der weiblichen Form. Zur Rezension.

Kai Meyer: Die Seiten der Welt (S. Fischer Verlag 2014)

Die Idee hat mich sehr angesprochen: Bibliotheken und ihr geheimes, magisches Leben, die herausgefallenen Buchstaben, der Schimmelrochen… Leider war es dann doch nicht so spannend, wie ich gehofft hatte. Gänzlich überzeugt hat mich das Buch also nicht.

Manuel Tusch: Liebe. Warum Sie mehr verdienen und wie Sie mehr bekommen (dtv 2017)

Ein Buch über die Liebe! Nicht ganz: Manuel Tusch spricht sich in seinem Buch für verschiedene Arten der Liebe aus, darunter auch die Polyamorie. Ob der Mensch nun mit nur einem Partner oder doch mit mehreren glücklich(er) wird? Einen Eindruck vom Buch findet ihr hier.

Giancarlo Macrì und Carolina Zanotti: Punkte (Gabriel Verlag 2017)

Ein tolles Bilderbuch, das mit genau zwei Elementen auskommt: einem ausgefüllten schwarzen Punkt und einem weißen Punkt. Welche Geschichte damit erzählt wird, könnt ihr hier nachlesen.

T. A. Wegberg: Meine Mutter, sein Exmann und ich (Rowohlt Rotfuchs 2017)

Eines der Transgender-Bücher, die 2016/17 auf den Markt kamen. In diesem Fall geht es um die Auseinandersetzung eines Teenagers mit der Geschlechtsangleichung seiner Mutter. Hat mich leider ziemlich enttäuscht, da ich nicht so ganz mit dem Protagonisten Joschka warm wurde.

Kristina Pfister: Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten (Tropen bei Klett-Cotta 2017)

Ein Roman über die Zeit zwischen Abschluss des Studiums und Berufseinstieg. Zwischendurch hat mich die Protagonistin ziemlich genervt, aber alles in allem fängt die Autorin die wechselhafte Zeit in der Schwebe gut ein. Ausführlichere Gedanken gibt’s hier.

Sarah J. Maas: Throne of Glass. Empire of Storms / A Court Of Wings And Ruin (Bloomsbury 2016)

An den Büchern von Sarah J. Maas scheiden sich ja die Geister. Die einen sind total begeistert, die anderen möchten sie in die Tonne kloppen. Obwohl ich ein großer Fan seit der ersten Stunde bin, habe auch ich Kritikpunkte am Verlauf der beiden Reihen. Trotzdem möchte ich denjenigen, die Maas‘ Bücher in einen Sack mit 50 Shades of Grey oder anderen (Erotik-)Romantasies stecken, sagen: Es gibt da Unterschiede! Mag sein, dass die männlichen Figuren in ToG und in Das Reich der sieben Höfe krass klischeehafte, muskelbepackte und Territorium beanspruchende High Fae sind. Im Gegensatz zu den Protagonistinnen in manch anderem Werk, sind Celaena und Feyre und ihre weiblichen Mit- und Gegenspieler toughe, selbstbewusste Frauen, die ihren Weg auch ohne männliche Hilfe finden und sich ihren Partnern in keiner Weise unterordnen. Genau darin liegt für mich der Reiz, die Reihen weiter zu verfolgen.

Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit (S. Fischer Verlag 2016)

Mit das anstrengendste Buch für mich in 2017, weil es nicht unbedingt Themen bedient, die mich üblicherweise begeistern. Trotzdem hatte ich vor allem große Freude an der bildhaften Sprache und ich war wiederholt überrascht, mit welcher Detailgenauigkeit gerade die Uhren/Maschinen beschrieben werden. Zur Besprechung.

Rainbow Rowell: Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow (dtv Reihe Hanser 2017) – Highlight!

Eine Geschichte über Zauberer in Anlehnung an Harry Potter. Ein chaotischer Auserwählter, der seine Macht nicht im Griff hat und regelmäßig explodiert. Ein Zimmergenosse, der heimlich in ihn verknallt ist, aber lieber den Feind gibt und gleichzeitig auch noch ein Vampir ist. Eine intelligente, feministische beste Freundin. Ein Magier, der definitiv nicht die besten Absichten hegt. Der Schatten, der mit einer überraschenden Handlung besiegt werden kann. Freundschaft, Liebe zwischen Jungs, interessantes Konzept von Magie. Viele offensichtliche und nicht offensichtliche Anspielungen auf allerhand Popkultur.

Colleen Hoover: Nur noch ein einziges Mal (dtv 2017)

Es ist schon eine lange Weile her, seit ich das letzte Mal ein Buch von Colleen Hoover gelesen habe, weil ich nicht so die Frauenroman-Leserin bin. Aber dieses hier ist echt richtig gut, enorme Entwicklung in Stil und Plot im Vergleich zu den ersten Büchern. Und das Thema ist natürlich heftig: Häusliche Gewalt. Die Lektüre hat mich emotional ziemlich mitgenommen.

Stefan Gemmel: Du bist richtig, wie du bist (Carl-Auer Verlag 2016)

Die Bilderbücher vom Carl-Auer Verlag behandeln gemäß Verlagsprogramm Themen, die in Erziehung und Therapie eine Rolle spielen können. Stefan Gemmel zeigt mit seinem Drachen, wie Vielfalt und Toleranz gehen. Top! Besprechung mit Video gibt’s hier.

Anne Sanders: Mein Herz ist eine Insel (blanvalet 2017)

Angenehm amüsanter Liebesroman für Zwischendurch. Zum ausführlichen Lektüreeindruck.

Amie Kaufman & Jay Kristoff: Illuminae. Die Illuminae-Akten_01 (dtv 2017) – Highlight!

Dieses Buch schlägt ein: Mit Gestaltung, Storyline und Action. Lesen!

Frère Roger: Die Grundlagen der Communauté von Taizé. Gesammelte Schriften von Frère Roger. Band 1 (Verlag Herder 2016)

Ende August war ich für eine Woche in Taizé. Um den Erlebnissen dort noch etwas nachzuspüren, habe ich mich mit den Regeln der Gemeinschaft beschäftigt: Wie hat sich Frère Roger das Zusammenleben mit den anderen Brüdern vorgestellt? Wie wurde der Alltag geregelt? Diese Schriften des Taizé-Gründers erlauben einen interessanten Einblick in das Leben und den Aufbau der Mönchsgemeinschaft.

David Levithan: Two Boys Kissing. Jede Sekunde zählt (S. Fischer Verlag 2015)

Von diesem Buch hat mir Libba Bray 2014 erzählt, Ende September ist es mir in der Bibliothek über den Weg gelaufen. In diesem Buch wollen Craig und Harry ein Zeichen setzen, indem sie den Weltrekord im Dauerküssen brechen. Aber es geht um mehr: Aus der Sicht einer bereits verstorbenen Generation von Homosexuellen verwebt David Levithan verschiedene Geschichten zu einer großen Geschichte über homosexuelle Jugendliche von heute.

Becky Albertalli: Nur drei Worte (Carlsen Verlag 2016) – Highlight!

Ausgezeichnet von der Jugendjury mit dem DJLP 2017, völlig zurecht. Eine der schönsten Liebesgeschichten seit Langem. Unaufgeregt, aktuell und für Dauergrinsen sorgend. Gleichzeitig beschäftigt sich die Autorin mit Fragen rund ums Coming-Out und lässt einen ihrer Protagonisten fordern: Auch Heteros sollten sich outen müssen, und zwar völlig peinlich! Klare Leseempfehlung.

Diana Wynne Jones: Howl’s Moving Castle (Harper Trophy bei Harper Collins 2001)

Die Buchvorlage zu Hayao Miyazakis gleichnamigem Anime. Interessant, wie sehr sich Roman und Film voneinander unterscheiden. Fast gefällt mir Jones‘ Fassung besser, weil die Autorin viele Details, die im Film schnell offensichtlich sind, im Buch subtil umsetzt. Sehr schön finde ich auch, dass Sophie selbst Magie besitzt! Unaufgeregt, märchenhaft.

Catherine Lowell: Die Kapitel meines Herzens (Atlantik bei Hoffmann und Campe 2017)

Samantha ist die letzte Nachfahrin der Brontë-Schwestern. Ein Umstand, der ihr missfällt. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sie sich mehr oder weniger unfreiwillig auf die Suche nach ihrem geheimnisvollen Erbe. Zahlreiche intertextuelle Bezüge, die ich vermutlich nicht alle erkannt habe, da ich die Bücher bisher noch nicht gelesen habe. Sobald dies geschehen ist: reread!

 

Das Bücherschiff gibt es nun schon etwas mehr als ein Jahr: wow! Im Sommer habe ich bei der Aktion »Kleine Blogs in Sicht« mitgemacht, die mir einige nette Leser und Leserinnen beschert hat und über die ich selbst einige schöne Blogs kennenlernen durfte. Vielen Dank dafür!

Wie war euer Lesejahr 2017, welche Highlights oder No-Gos hattet ihr und auf welche Bücher freut ihr euch 2018? Ich wünsche euch ein gesundes, lektürereiches und frohes neues Jahr!

 

 

 

 

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