Lektürerückblick 2018

Lektürerückblick

Das vergangene Jahr war ein recht turbulentes – auf meinem Boot jedenfalls. Zum Schreiben über Bücher kam ich daher nicht so, wie ich gerne wollte. Dafür habe ich zahlreiche Abenteuer beruflicher und privater Natur erleben dürfen. Mit dabei war immer das ein oder andere Buch. Hier ein vermutlich unvollständiger Blick auf meine letztjährigen Begleiter (nicht in der Reihenfolge des Fotos).

 

Cynthia d’Aprix Sweeney: Das Nest (Klett-Cotta 2016)

Unglaublich gut. Warum könnt ihr hier nachlesen.

Linda Florand: The Chocolate Kiss (Kensington Books 2013)

Dieses Buch habe ich von einer sehr guten Freundin geschenkt bekommen. Linda Florand hat ihre sehr romantische, aber durchaus amüsante Liebesgeschichte in Paris situiert. Kurzweiliger und unterhaltsamer Zeitvertreib!

André Aciman: Call Me By Your Name. Ruf mich bei deinem Namen. Das Buch zum Film (dtv 2018) – Highlight!

Über CMBYN habe ich bereits ausführlich gesprochen. Insbesondere der Film und die Musik begleiten mich nach wie vor. Zur Besprechung geht’s hier.

Leigh Bardugo: Wonder Woman. Kriegerin der Amazonen (dtv 2018)

Starke Frauen waren schon immer mein Thema. Umso neugieriger war ich auf die Verfilmung von Wonder Woman, die ich prinzipiell sehr gut fand. Auch Leigh Bardugo hat sich mit Wonder Woman beschäftigt und ihr eine eigene Geschichte in Romanform gegeben. Eine spannende Geschichte über junge Frauen, Freundschaft und die Suche nach dem eigenen Weg – ganz ohne zentrales, männliches love interest.

Sylvia Plath: The Bell Jar (Harper Perennial Modern classics deluxe edition reissued as the 50th Anniversary edition 2013) – Highlight!

2018 war mein Jahr der feministischen Literatur. Sylvia Plath war endlich bei meiner Lektüre vorne mit dabei, und all die Verheißungen und Erwartungen, die ich während meines Studiums an sie aufgebaut habe, wurden erfüllt. Hier erfahrt ihr das ausführlich.

Sarah J. Maas: A Court of Frost and Starlight (Bloomsbury 2018) / Throne of Glass. Tower of Dawn (Bloomsbury 2017) / Throne of Glass. Kingdom of Ash (Bloomsbury 2018)

Im Feysand-Universum gibt es mit ACOFAS eine Art Überbrückung zu was auch immer im Anschluss kommen mag. Ich habe mich gefreut, mehr über die anderen Charaktere zu erfahren. Insbesondere die Wege der Schwestern interessieren mich sehr.

Außerdem hat Sarah J. Maas die ToG-Reihe abgeschlossen. Tower of Dawn fällt ein bisschen aus der Reihe, geht es doch ausschließlich um Chaols Reise zum südlichen Kontinent. Ich bin froh, dass die Leserschaft mehr von ihm erfährt, nachdem er in den vorangegangenen Büchern nicht sehr gut weggekommen ist. Im Finale, Kingdom of Ash, beweist die Autorin einmal mehr, wie abwechslungsreich, unzuverlässig und episch sie Geschichten aufbauen kann. Viele Tränen, weil einige meiner Lieblingsfiguren sehr leiden oder gar nicht überleben. Gegen Ende vielleicht ein bisschen zu kitschig. Souverän zu Ende gebracht.

Toby Barlow: Baba Jaga (Atlantik bei Hoffmann und Campe 2014)

Ein Buch über alte, russische Hexen, Agenten im Paris zur Zeit des Kalten Krieges und eine zarte Liebesgeschichte? Klingt irgendwie abgefahren, funktioniert aber. An diesem Roman saß ich lange, zwischendurch hat sich die Handlung etwas gezogen. Besonders gut haben mir die Vignetten mit Zitaten bekannter Pariser Persönlichkeiten gefallen.

Jean Webster: Lieber Daddy Long Legs (Königskinder Verlag 2017)

Eine Waise wird von einem reichen Gönner ans College geschickt, ohne dass sie weiß, wer er ist. Über ihre Fortschritte, ihre Freundinnen und mögliche Verehrer unterrichtet sie ihn in unterhaltsamen, teils frechen Briefen. Herrlich erfrischend!

Anna Gavalda: L’échappée belle (Édition J’ai lu / Le Dilettante 2012)

Schon lange habe ich nicht mehr auf Französisch gelesen. Dieses dünne Büchlein hat mich auf einer Zugfahrt begleitet – äußerst passend, denn es geht um drei Geschwister, die sich von einer langweiligen Hochzeit davonstehlen, um gemeinsam mit ihrem Bruder müßig in Erinnerungen zu schwelgen.

Margaret Atwood: Der Report der Magd (Piper Verlag 2017) – Highlight!

Spätestens mit der Serienadaption von Der Report der Magd wurde Margaret Atwood, Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels 2017, auch Nicht-Atwood-Kennern ein Begriff. Ich habe nur Teile der Serie gesehen und bin mir unsicher, wie ich sie beurteile. Der Roman allerdings ist eine ganz besondere Lektüreerfahrung: Bedrückend, düster und eindringlich entwirft die Autorin eine Welt, in der Frauen keine Rechte mehr haben und in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, um dem totalitären Staat zu dienen. Erniedrigung, Bespitzelung und Hinrichtungen stehen auf der Tagesordnung. Doch die Magd Desfred hat entgegen allen Widrigkeiten weiterhin Hoffnung auf ein freies Leben. Spannend legt Margaret Atwood dar, wie eine Welt und insbesondere die Lage der Frau aussehen könnten, wenn ein Staatssystem auf ausgewählten, radikal ausgelegten religiösen Schriften aufgebaut würde. Unbedingte Lesempfehlung!

Amie Kaufman & Jay Kristoff: Gemina. Die Illuminae-Akten_02 (dtv 2018)

Die Fortsetzung von Illuminae. Die Illuminae-Akten_01 steht dem ersten Band an Weltraum-Action, Spannung und außergewöhnlicher Gestaltung in nichts nach. In diesem Teil stehen neue Protagonisten im Mittelpunkt, die sich gegen eine feindliche Kampfeinheit zur Wehr setzen müssen, um die Sprungstation Heimdall zu retten. Besonders mochte ich Ella, Nichte des Mafia-Bosses, die sich wie eine raffinierte Spinne in die heimischen wie feindlichen Systeme hackt.

Anne Freytag: Nicht weg und nicht da (Heyne fliegt 2018)

Nachdem ich von Den Mund voll ungesagter Dinge so begeistert war, war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Anne Freytag. Nicht weg und nicht da ist im Vergleich zum Vorgänger keine sommerlich-leichte Lektüre, aber trotzdem genauso lesenswert. Luise versucht nach dem Suizid ihres Bruders, ihr Leben radikal umzustellen. Sie fängt damit bei ihren Haaren an, die sie sich abrasiert. Als sie nach einer Therapie-Sitzung auf Jakob trifft, ist der sehr fasziniert von ihr – doch sie hält ihn auf Abstand. Zu ihrem sechzehnten Geburtstag erhält sie die erste von vielen Mails, die ihr Bruder vor seinem Tod verfasst hat. Anne Freytag hat eine zarte Geschichte über Trauerbewältigung geschrieben, die ohne unnötige Dramen auskommt. Sie rückt Luise und Jakob in den Fokus, ihre Gefühle und Probleme, die Schwierigkeiten, nach einem Verlust wieder ins Leben zurückzufinden. Schön!

Christophe Léon: Väterland (Mixtvision 2017)

Wie lebt es sich in einer Welt, in der Homosexuelle ihre Arbeit verlieren, in Ghettos untergebracht werden und sich mit einer rosafarbenen Stoffraute an der Kleidung kennzeichnen müssen? Aus der Sicht von Gabrielle wird genau das erzählt. Sie wurde von einem homosexuellen Paar adoptiert; ihre Väter sind schon lange miteinander verheiratet. Doch ein neues Gesetzt beraubt sie jeder Rechte. Eines Tages kommen die beiden nicht mehr nach Hause zurück. Während Gabrielle besorgt auf sie wartet, erzählt sie in Rückblenden, wie sich das Leben der Familie schleichend verändert hat. Christophe Léon schreibt über eine von Intoleranz und Gewalt bestimmten Zukunft, die gewollt Parallelen zu einer nicht allzu fernen Vergangenheit zieht.

Pénélope Bagieu: Culottées 1. Des femmes qui ne font que ce qu’elles veulent (Gallimard Bande dessinée 2016)

Diese BD (oder auch Graphic Novel) versammelt 15 Porträts von Frauen, die ihren eigenen Träumen und Wünschen gefolgt sind. Egal, in welcher Epoche. Ungeachtet der Hindernisse, die sie überwinden mussten. So zum Beispiel Tove Jansson, die Erfinderin der Mumins, oder Agnodice, erste Gynäkologin in der Antike. Band 1 und 2 wurden ins Deutsche übersetzt und sind bei Reprodukt erhältlich. Lesen!

Svenja Flaßpöhler: Die potente Frau. Für eine neue Weiblichkeit (Ullstein Streitschrift 2018)

Ein Text zur #meToo-Debatte. Äußerst interessante Ideen, wichtig und auf den Punkt. Widerholt lesbar.

Jason Reynolds: Ghost. Jede Menge Leben (dtv 2018)

Als Jugendlicher habe er nicht gelesen, sagt Jason Reynolds oft in Interviews. Er wurde durch Rapmusik beeinflusst, denn die hat seine Lebenswelt widergespiegelt. Heute ist er einer der Stars der US-amerikanischen Jugendbuchszene. Ghost, der erste Band der vierteiligen TRACK-Reihe, war Finalist für den National Book Award. Reynolds erzählt darin die Geschichte von vier Jugendlichen, die im selben Laufteam als Neulinge starten. So unterschiedlich sie sind, lernen sie im Team, worum es im Leben wirklich geht. Begleitet werden sie dabei von dem väterlich-liebenswerten Coach Brody.

Jason Reynolds & Brendan Kiely: Nichts ist okay! Zwei Seiten einer Geschichte (dtv 2016)

Rashad und Quinn waren zur selben Zeit am selben Ort – und doch haben sie ganz Unterschiedliches erlebt. Rashad, fälschlicherweise des Diebstahls verdächtigt, wird von einem Polizisten niedergeprügelt. Quinn hat alles beobachtet und ist ausgerechnet ein enger Freund des Polizisten. Innerhalb einer Woche spaltet sich die Stadt in zwei Lager, während die beiden Jugendlichen versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. Reynolds und Kiely erzählen eine Geschichte von Polizeigewalt, von Schwarz und Weiß. Sie lassen beide Jugendliche zu Wort kommen und bringen die beiden Seiten in einen notwendigen Dialog.

Jason Reynolds: Long Way Down (Faber & Faber 2018) – Highlight!

Das letzte Jahr war Jason Reynolds-Jahr, zumindest bei mir. Long Way Down ist ein Versroman, der eine kurze Aufzugfahrt von etwa 70 Sekunden widergibt. Auf der Fahrt vom 7. Stock ins Erdgeschoss begleiten wir Will, der den Tod seines Bruders rächen will, weil die ungeschriebenen Regeln seiner Gemeinschaft das verlangen. Mit all seinen Zweifeln allein im Fahrstuhl, tritt je Stockwerk eine verstorbene Person aus seinem näheren Umfeld hinzu und erzählt ihm ihre Geschichte. Als LeserIn rast man ähnlich wie der Fahrstuhl die Stockwerke hinab, schüttelt den Kopf über diese Regeln, die schon so viele Menschenleben gekostet haben, und hält mit einem Ruck am Ende des Buches. Unbedingt lesen!

Katja Klengel: Girlsplaining (Reprodukt 2018)

Diese Graphic Novel wirft wichtige Fragen zum Frauenbild in unserer Gesellschaft auf: Warum haben wir Angst vor dem Wort ›Vulva‹, was ist so schlimm an Körperbehaarung und warum gibt es eigentlich kein ›Antihodenstink‹? Katja Klengel geht diesen Fragen nach. Mit viel Witz, Selbstironie und unglaublicher Offenheit erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen und schildert, was es bedeutet, heute Frau zu sein. Für alle, die ihren Horizont jenseits von Rosa und Blau erweitern wollen und keine Angst vor scheinbar schambesetzten Themen haben. #frauenrechtesindmenschenrechte #vivalavulva

 

 

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