Lektürerückblick 2019

dav
2019 war ein recht volles Jahr: Viele Ausflüge, viel Arbeit, viele Bücher für die Arbeit, wenig Zeit und Konzentration für Freizeitlektüre. Entsprechend befinden sich im Jahresrückblick mehrere Bücher aus dem neuen Programmbereich, für den ich auf der Arbeit u.a. zuständig bin. Einige Bücher habe ich auch einfach nicht beendet. Sie bekommen zu einem anderen Zeitpunkt eine neue Chance. Für 2020 ist einer meiner wenigen Vorsätze deshalb: mehr (fremd)lesen! Jetzt aber wie jedes Jahr ein kleiner unvollständiger Einblick in mein Lektürejahr 2019.

Nic Sheff: Tweak. Growing up on Metamphetamines (Sribner 2018) – Highlight!

Dieses Buch hat mich im Sommer stark beschäftigt, mich gequält, wütend und traurig zugleich gemacht. Ausführlich könnt ihr meine Gedanken zur Autobiographie eines Suchtkranken hier nachlesen.

Margarete Stokowski: Untenrum frei (Rowohlt Taschenbuch Verlag 2019)

– Highlight!

Definitiv ein Highlight in diesem Jahr. Nach allem, was ich mir an feministischen Texten in den Jahren seit Beginn meines Studiums angelesen habe, bringt Margarete Stokowski die zentralen Themen in moderner Sprache und leicht zugänglich auf den Punkt. Dazu mehr in der Besprechung.

Amanda Flower: Crime & Poetry. A Magical Bookshop Mystery (Obsidian bei Penguin Random House 2016)

Eine Protagonistin (Violet), die ihre Heimatstadt schon lange verlassen hat, ein magischer Buchladen, in dem das perfekte Buch dem/der Lesenden vor die Füße fällt, eine Großmutter, die nichts lieber möchte als ihre Enkelin Violet zurückzuholen, und ein schwarzer Kater, der Violet auf die richtige Fährte führt: Mehr braucht es nicht für kurzweilige Unterhaltung. Na gut, eine Prise Crime und Romance dürfen nicht fehlen.

Artur Dziuk: Das Ting (dtv bold 2019)

Vier junge Menschen entwickeln eine App, die das Leben der Nutzer*innen optimieren soll. Sie verpflichten sich, allen Anweisungen der App zu folgen – mit schwerwiegenden Folgen. Ein spannendes Debüt, das beunruhigt und nachwirkt. Mein persönliches Arbeitshighlight: Ich durfte Autor und Buch quer durch die Republik schicken.

Camille Perri: Die Assistentinnen (INK bei Bastei Lübbe 2016)

Durch einen Fehler bei der Spesenabrechnung kommt Assistentin Tina unverhofft zu Geld. Was für ihren Chef ein Taschengeld ist, ist für sie eine Menge: Plötzlich kann sie ihren Studienkredit abbezahlen. Doch ihre Entscheidung bleibt nicht unentdeckt und setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die das Leben einiger gut ausgebildeter, unterbezahlter junger Frauen verändern. Unterhaltsam, witzig, kurzweilig. Mit einem kritischen Blick auf die Gehaltsschere und den gender gap in Unternehmen.

Katherine V. Forrest: Seltsamer Wein (Daphne 1985)

Sieben Frauen zwischen 30 und 40 treffen sich zu Skiferien auf einer Berghütte. Bei abendlichen Gesprächen am Kamin reden und streiten sie, enthüllen ihre unterschiedlichen Lebenswege. Diana und Lane kommen sich dabei überraschend nahe. Forrest gibt ein Bild der 70er Jahre wider, wie es für viele Frauen Realität gewesen sein muss: Ehe und Abhängigkeit vom Mann, keine sexuelle Selbstbestimmung, Gewalt… Dabei sehnen sich diese sieben Frauen nach Liebe, Respekt und gleichberechtigter Partnerschaft.

Pénélope Bagieu: Unerschrocken. Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen (Reprodukt Verlag 2018)

Im zweiten Band stellt Pénélope Bagieu uns u.a. die 1996 geborene Rapperin Sonita Alizadeh und die Aktivistin Naziq al-Abid vor. Ebenso interessant wie Band 1.

Felix Lobrecht: Sonne und Beton (Ullstein fünf 2017, 2. Auflage)

Vier Jungs in einer Berliner Hochhaussiedlung beschließen, die Computer der Schule zu stehlen und das große Geld zu machen. Blöd nur, dass keiner ihnen die Ware abkaufen will. Dieser Roman hat mich nicht nur sprachlich nicht abgeholt: Der Protagonist scheint eigentlich gesunden Menschenverstand zu besitzen, von dem er allerdings eher selten Gebrauch macht. Eine Entwicklung findet nicht wirklich statt (oder ich habe sie überlesen?). Einzelne Stränge der Nebenhandlung erschienen mir interessanter als die eigentliche Haupthandlung.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes 2016)

Über diesen Roman habe ich viel gelesen, bevor ich ihn mir vor drei Jahren gekauft und in 2019 endlich gelesen habe. Die Erwartungen waren hoch und anfangs war ich skeptisch, weil ich nicht so gut reingekommen bin wie erwartet. Ich habe weitergelesen und wurde belohnt: mit einer Geschichte über Liebe und Verlust, mit Melancholie und Trost.

Laurie Halse Anderson: Sprich (dtv Reihe Hanser 2019)

Die Sprache wirkt anfangs spröde, die Protagonistin wenig nahbar. Bis man versteht, dass sie eine Art Schutzwall ist für all das Dunkle und Unsagbare, das in ihrem Innern rumort. Bei der Lektüre starten wir mit Melinda in das neue Schuljahr, in dem sie von ihren Freundinnen gemieden wird, ohne dass wir wissen, warum. Melinda spricht nicht – weder mit ihrer Familie noch mit ihren Schulkamerad*innen. Auch die Leser*innen wissen nicht, was ihr widerfahren ist, doch sie ahnen etwas. Am Ende des Schuljahres und des Buches findet Melinda ihre Sprache und kann das Unsagbare endlich aussprechen.

Laurie Halse Anderson: Schrei! Nur wenn ich laut bin, wird sich was ändern (dtv bold 2019)

Ein autobiographisches Memoir in Versform. Die Autorin erzählt von ihren Eltern, ihrer Kindheit und dem toxischen Umfeld, in dem sie aufgewachsen ist. Sie erzählt von ihrer Vergewaltigung und davon, wie sie als erwachsene Frau schließlich zum Schreiben fand und ihre Erfahrungen in ihrem Buch Sprich verarbeiten konnte. Intense!

Kristen Roupenian: Cat Person. Storys (Blumenbar bei Aufbau Verlag 2019)

Über die Werbung für das Hörbuch wurde ich auf diese Kurzgeschichten aufmerksam. Im Literaturhaus München konnte ich die Autorin live erleben und war von dem Gespräch auf der Bühne sehr angetan. Die Kurzgeschichten selbst ließen mich jedoch immer mit einem eher beunruhigten und unschlüssigen Gefühl zurück. Viele der beschriebenen Situationen kennt man (als Frau) aus dem Alltag, die Wendungen, die Kristen Roupenian ihnen gibt, sind durchaus interessant, sorgen teilweise aber erst recht für das bereits genannte unangenehme Gefühl. Trotzdem bin ich froh, dass ich es gelesen habe. Muss man mögen.

Sally Green: Kingdom of Smoke. Die Verschwörung von Brigant (dtv 2019)

Ein Fantasy-Ziegelstein, der sich lohnt. Sally Green eröffnet den Lesenden eine vielschichtige Welt voller Geheimnisse und Verschwörungen und wirft fünf junge Menschen mitten in einen entstehenden Krieg. Wie sich die Wege von Catherine, der sich emanzipierenden Prinzessin von Brigant, Ambrose, ihrem abtrünnigen Leibwächter, Tash, der Dämonenjägerin, sowie March, der auf Rache aus ist, und dem Halbwaisen Edyon kreuzen und wie ihre Schicksale miteinander verwoben sind, ist spannend und teils amüsant zu lesen. Mit eine Prise Romantik für alle.

Louisa May Alcott: Little Women. Special 150th Anniversary Edition (Vintage Publishing 2018)

Lange wollte ich diesen Klassiker schon lesen, vermutlich seit ich herausgefunden hatte, dass die Anime-Serien Eine fröhliche Familie und Missis Jo und ihre fröhliche Familie auf den Büchern von Louisa May Alcott basieren. Die Autorin hat 1868 den Auftrag ihres Verlegers angenommen, ein Buch für Mädchen zu schreiben. Herausgekommen ist ein farbenfrohes und liebenswertes Porträt von vier Schwestern, die über das Jahr hinweg verschiedensten Herausforderungen gegenüberstehen und daran wachsen. So unterschiedlich die Mädchen sind, so groß ist ihre Liebe zueinander und ihr Zusammenhalt. Von ihrer Mutter lernen sie, die kleinen Freuden wertzuschätzen und ihr einfaches Leben stolz und dankbar anzunehmen. Die Geschichten von Meg, Jo, Amy und Beth sind auch im Englischen leicht zu lesen und sind mal witzig, mal traurig und geben immer ein lehrreiches Bild der amerikanischen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts wider.

Atticus: Love. Her. Wild. Gedichte & Notizen (dtv bold 2019)

In diesem Buch sind die ersten Gedichte des Instagram-Phänomens Atticus versammelt. Sie handeln vor allem von der Liebe, von der Suche nach und vom Verlust von ihr, aber auch von Frauen, Whiskey und Nacktbaden. Für Atticus Veranstaltungen zu organisieren, war eine interessante Herausforderung.

Amie Kaufman & Jay Kristoff: Obsidio. The Illuminae Files_03 (Penguin Random House 2018)

Abschluss der Weltall-Action-Trilogie um die Illuminae-Akten. Kady, Ezra, Hanna und Nik haben im zweiten Band knapp überlebt und versuchen mit einem überfüllten Flüchtlingsraumschiff zurück nach Kerenza zu kommen. Dort stehen sich Asha und ihr Ex-Freund Rhys plötzlich auf gegnerischen Seiten gegenüber. Ein rasanter Showdown.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.