Vom großen Bruder, der auszog und verschwand

»Er war unter Trust-Fund-Kids aufgewachsen – von denen er viele immer noch kannte – und hatte gesehen, was zu viel Geld in jungen Jahren anrichten kann: Es führte zu Trägheit und Gleichgültigkeit, einer rastlosen Unzufriedenheit. Der Fonds, den er anlegte, war als kleines Zubrot gedacht, etwas, das zu ihren eigenen zwangsläufigen Einkünften hinzukam – immerhin… Weiterlesen Vom großen Bruder, der auszog und verschwand

Von Drachen lernen

»Tief im Wald von Tohuwabohu, dort, wo noch nie ein Mensch seinen Fuß hingesetzt hat, dort lebte Bodo. Er war ungeheuer glücklich und ungeheuer zufrieden. Er hatte immer ungeheuer viel Zeit, um ungeheuer schöne Dinge zu tun. Genau genommen war Bodo ein Ungeheuer. Er war ein Drache, der letzte seiner Art.« (Stefan Gemmel / Marie-José… Weiterlesen Von Drachen lernen

Zermürbende Erwartung

»Jetzt saß ich da, die Stirn an die Fensterscheibe gelehnt, und erzählte von meiner Arbeit und dass mein Kollege wieder zweideutige Bemerkungen gemacht hatte. Ich sagte meiner Mutter nicht, dass ich kaum noch schlief, sondern die Nächte damit verbrachte, Sitcoms zu schauen, fröhliche Menschen, die mit ihren Freunden in einer Bar saßen und Bier tranken,… Weiterlesen Zermürbende Erwartung

Ohne Kitsch und einfach echt: Den Mund voll ungesagter Dinge

»Und mal im Ernst: Was ist schon groß passiert? Ich meine, es war nur ein flüchtiger und total bedeutungsloser Kuss. Aufgezwungen durch Wahrheit-oder-Pflicht, gefolgt von ein paar verstörenden Träumen, von denen ich so tue, als hätte ich sie nie gehabt.« (Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 216) »Und ich gebe es ja nur… Weiterlesen Ohne Kitsch und einfach echt: Den Mund voll ungesagter Dinge

Ohne Glitzer

»Er nannte es ein ›Missverständnis des Universums‹, dass er in Deutschland geboren worden war, als Mehmet. Weil da gar kein Platz war für ihn. Weil alle Stühle besetzt und alle Lücken ausgefüllt waren. Keine Jobs, keine Kohle, nur unerträgliches Gelaber bei irgendwelchen Behörden.« (Fatma Aydemir: Ellbogen, S. 113) »Elma und ich sagen kein Wort und… Weiterlesen Ohne Glitzer

Sei, wer du bist!

»Das Wort »Mann« traf George, als wäre ihr ein Felsbrocken auf den Schädel gefallen. Es war hundertmal schlimmer als »Junge«. Sie bekam keine Luft mehr. Heftig biss sie sich auf die Lippe und fühlte, wie ihr erneut die Tränen in die Augen stiegen. Sie legte den Kopf auf den Schreibtisch und wünschte sich, sie wäre… Weiterlesen Sei, wer du bist!

Euphorie der Leidenschaften

»Nell und Fen hatten meine Selbstmordgedanken vertrieben. Aber was hatten sie mir stattdessen gelassen? Brennende Wünsche, eine Flut des Verlangens, die ich in keine Bahn lenken konnte, ein Sichverzehren, ohne zu wissen, wonach. Ich verzehrte mich. Punkt. Es war das Gegenteil von Sterbenwollen. Aber kaum weniger unerträglich.« (Lily King: Euphoria, S. 89f.) Euphoria. Ein leidentschaftlicher,… Weiterlesen Euphorie der Leidenschaften

#Klassiker: Carmilla, die Vampirin

»Und hatte sie voll Überschwang so mit mir gesprochen, dann drückte sie mich zitternd an sich, und ihre Lippen hauchten zarte Küsse auf meine Wange. Wenn solche mysteriösen Stimmungen sie befielen, war sie mir unheimlich. Zuweilen ergriff mich eine seltsame, mein tiefstes Inneres aufwühlende Erregung, die lustvoll war und doch gemischt mit dumpfer Angst und… Weiterlesen #Klassiker: Carmilla, die Vampirin

Ein Mädchen wie die Wüste

»Wir zogen mit der Karawane wie abgemacht bei Morgengrauen los. Ich dachte, ich kenne die Wüste, doch als ich die Sonne in einem glasklaren Himmel über einem endlosen Streifen Gold aufgehen sah, wusste ich, dass dies noch mal etwas anderes war. Das Sandmeer war riesig und ruhelos. Die Karawanenführer behandelten es wie etwas zwischen einem… Weiterlesen Ein Mädchen wie die Wüste

Willkommen in Visible

»Ich hab danebengeschossen, genau wie bei der blöden Forelle.« Etwas in ihrer Stimme brachte die Dunkelheit zum Brodeln. Plötzlich wünschte ich mir, Dianne würde nicht weitersprechen, doch da warf die Luft bereits schwarze Blasen, die zischend zerplatzten. »Weißt du, Phil, ich hatte auf sein Herz gezielt.« (Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt, S. 80f.) »Nicholas«,… Weiterlesen Willkommen in Visible