Boom! Raumschiff-Zombie-Clash

»Wenn es fertig ist, ist es fast poetisch.
BZhangHypatiaInformationTechIngineurWUC2471 hat unser Geschöpf ›Logikbombe‹ getauft. Eine sich selbst unaufhörlich vervielfältigende Zwickmühle, deren einzige Auflösung ein Reboot des Antriebssystems der Lincoln ist.
Aber ich erkenne, was es in Wirklichkeit ist. Der Hauch, den Julia an ihres Romeo Lippen suchte. Gift und Wahnsinn, verewigt in endlosen Kritzeleien aus Einsen und Nullen. Eine Binarität des Irrsinns.
‹Error›«
(Kaufman und Kristoff: Illuminae, S. 281)

Kauffman Kristoff_Illuminae_1Alles beginnt mit einer E-Mail der Illuminae-Gruppe an die Geschäftsführung von BeiTech. In dieser E-Mail wird erklärt, dass die Illuminae-Gruppe alle auffindbaren Dokumente in Bezug auf den Angriff auf die Station Kerenza zusammengestellt habe und im Anhang zur Verfügung stelle. Und dann geht’s los!

In Verhörprotokollen, Berichten, Chat- und Videomitschnitten erfährt der Leser (und die Geschäftsführung von BeiTech, von deren Identität man erst am Ende des Buches erfährt), was vor einem Jahr eigentlich passiert ist. Kerenza wurde von Raumschiffen der Firma BeiTech angegriffen. Das Schlachtschiff Alexander ist zur Verteidigung geeilt und konnte einige Flüchtlinge aufnehmen. Auch das Lastschiff Copernicus und das Forschungsschiff Hypatia nehmen Flüchtlinge auf. Da BeiTech die Raumschiffe weiter verfolgt, schließen die drei sich zusammen und wollen es bis zur sicheren Raumstation Heimdall schaffen. Es gibt dabei nur zwei Probleme: BeiTech hat eine biochemische Waffe verwendet, ein Virus, das jetzt mutiert und die Infizierten zu zombieartigen Wesen werden lässt; und die künstliche Intelligenz AIDAN, die für die Sicherheit an Bord der Alexander zuständig ist, muss beim Kampf so beschädigt worden sein, dass sie außer Kontrolle gerät – sie sorgt dafür, dass die Copernicus vernichtet wird. Und das ist erst der Anfang…

Soviel zum groben Plot. Die Geschichte dreht sich natürlich auch um diverse Figuren. Allen voran die Protagonisten Kady und Ezra, die zu Beginn des Buches gerade frisch ihre Beziehung beendet haben, beim Angriff getrennt werden und auf verschiedenen Schiffen landen: Kady auf der Hypatia und Ezra auf der Alexander. Während Kady sich der Rekrutierung verweigert und sich in diverse Computersysteme der Schiffe einhackt, wird Ezra im Schnelldurchlauf zum Kampfpiloten ausgebildet. Über Chat-Gespräche nähern sie sich  einander wieder an und wollen gemeinsam herausfinden, was die Vorgesetzten der Besatzung und den Flüchtlingen verheimlichen.

Amie Kaufman und Jay Kristoff haben mit Illuminae ein außergewöhnliches Buch geschaffen. Nicht nur ist die traditionelle Narration durch die Ansammlung an diversen Akten gebrochen, die Handlung wird in der Text-Bild-Gestaltung gespiegelt. So verfolgt der Leser die Kampfpiloten im All auf ihrem lebensgefährlichen Einsatz und dreht dabei wahlweise das Buch im Kreis oder sich selbst um das Buch herum, denn der Text malt zum Beispiel die Fluglinien der Schiffe nach. AIDAN schafft ganze Gemälde aus nur einem immer wieder aneinandergereihten Wort. Routinierte Lesegewohnheiten werden unterlaufen. Doch wenn man sich auf die ungewöhnliche Lektüre einlässt, wird man belohnt mit einem heftigen Sci-Fi-Blockbuster, der einem den Atem raubt.

Amie Kaufman und Jay Kristoff: Illuminae. Die Illuminae Akten_01, aus dem Amerikanischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung, dtv Verlagsgesellschaft, München 2017, Hardcover, 608 S., ab 14 Jahren.

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